Fledermauskontrolle beim Winterquartier am Trillberg

Nicht wirklich zufrieden waren Stephan Hielscher und Stephan Zöller vom Umweltschutzamt des Main-Tauber-Kreises, Bernd Kunz von der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg und Albert Heppel von der Naturschutzgruppe Taubergrund bei ihrer diesjährigen Kontrolle der Winterquartiere von Fledermäusen. Neun mögliche Winterquartiere im Altkreis Mergentheim wurden diesmal einer systematischen Überprüfung mit Taschenlampe und wetterfester Kleidung unterzogen. Nur in vier Quartieren wurden insgesamt fünf überwinternde Fledermäuse angetroffen. In den letzten Jahren waren es immerhin bis zu 15 Exemplare. „Der südliche Main-Tauber-Kreis wird von uns erst seit 2015 regelmäßig untersucht, und wir kennen längst noch nicht alle e“, erläutert Stephan Hielscher. „Für Hinweise aus der Bevölkerung auf Gewölbe- oder Felsenkeller sind wir deshalb immer dankbar.“ Aber trotzdem gab es eine überraschende Entdeckung. Im Eiskeller am Trillberg wurde nach langen Jahren der erfolglosen Suche ein Braunes Langohr (Plecotus auritus) entdeckt. Diese mittelgroße heimische Fledermausart schätzt besonders Raupen und Eulenfalter als Nahrung. Das Braune Langohr lebt mehr in Wäldern und ist zum Rüttelflug fähig. Bei einem Gewicht von maximal 11 Gramm und einer Körperlänge von 5 Zentimetern war es in den tiefen Muschelkalkspalten nicht leicht zu entdecken. Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Leider haben sie immer weniger geeignete Winterquartiere, weil ehemalige Bierkeller zerstört werden oder zusammenbrechen. Zudem nimmt auch die blinde Zerstörungswut zu und werden Schutzmaßnahmen für die auf der Roten Liste stehenden Insektenvertilger zerstört. „Letztes Jahr hatten die früher gebärenden Zwergfledermäuse wegen des nassen Frühjahrs schlechte Karten, dagegen konnten die später gebärenden Mausohren mehr Nachwuchs aufziehen“ hat der Fledermausexperte der Naturschutzgruppe Taubergrund Albert Heppel beobachtet.

Unsere Vorfahren mussten ohne Kühlschränke auskommen. Aber die Menschen damaliger Zeit wussten sich ohne moderne technische Errungenschaften zu helfen. Wenn im Winter die Tauber oder die Jagst dick gefroren war, wurden Platten  aus dem Eis herausgesägt und in die Eishöhlen oder Eiskeller geschafft. Dort war  es kalt genug, so dass das Eis zur Bierkühlung bis zum Sommer gelagert werden konnte. Von Flüssen, Seen und Teichen wurde natürliches Eis gewonnen. Diese Eisseen wurden  teilweise künstlich angelegt. So wurde der Mergentheimer Eissee über ein Wehr der Wachbach geflutet. Bis zum Jahre 1920 gewannen dort die örtlichen Bierbrauer ihr Eis. Für die Versorgung des sommerlichen Lustschlosses auf dem Karlsberg oberhalb von Weikersheim wurden mit Wasser des Vorbachs im Seegarten in Reservoirs  Eis geerntet. Die Adligen konnten sich schon ab dem Jahre 1736 an gekühlten Getränken erfreuen. Zur Eisgewinnung in den Eisseen wurden Eissäge, Eiszange und Eishaken eingesetzt. In wärmeren Wintern reichte das Natureis aus Bächen und Seen nicht aus. Daher wurde Eis mit Schiff und Bahn aus Norwegen und den Hochgebirgen Österreich-Ungarns importiert.

Die Eiskeller sind keine natürlichen Höhlen. Über dem einzigen in Bad Mergentheim unter Denkmalschutz stehenden Eiskeller am Trillberg  war einst eine Sommergaststätte, direkt darunter wurde das Bier gekühlt. Ideal sind ehemalige Bier- und Eiskeller für Fledermäuse, sofern sie diese Standorte finden. Zu deren Schutz und zum Schutz vor wilder Müllablagerung sind die Eingänge mit Gittern versehen. Der älteste Bierkeller Mergentheims ist auch der einzige, der noch vollkommen erhalten ist. Heute sind Eiskeller, im Gegensatz zu früher, in keiner Karte mehr verzeichnet. Sie sind in Gefahr, in Vergessenheit zu geraten, obwohl es wichtige Kulturdenkmale sind und wertvolle Refugien für die gefährdeten Fledermäuse sein können.

Hinweise auf Fledermausquartiere nimmt Stephan Hielscher, Umweltschutzamt, unter Tel. 09341/82-5792 gerne entgegen.

Text/Foto von Fledermauskontrolle am Trillberg – Tillmann Zeller

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