Fast 400 interessierten sich für das Fuchshöhlenlabyrinth

Fast 400 Interessierte strömten am 20. Februar in den Großen Kursaal Bad Mergentheims, um einen Blick in die fremdartigen Welten des auf 12,5km Ganglänge vermessenen Fuchslabyrinths von Schmalfelden zu erhaschen. Es ist die drittgrößte Höhle Deutschlands und könnte zur größten Höhle Deutschlands werden, wenn alle Bereiche erschlossen werden können. Noch klaffen drei unerschlossene Lücken von insgesamt 3800 Metern. Werner Hommel hatte die optimistische und wahr gewordene Erwartung, dass so viel Gäste kämen, denn einige Besucher standen schon zwei Mal bei Vorgängerveranstaltungen wegen Überfüllung vor verschlossenen Türen.

von links Werner Hommel,Thomas Rathgeber,Markus Pantle, Christopher Ross,Michael Wasmund, Josef Gulde

Josef Gulde von der Naturschutzgruppe Taubergrund begrüßte die Gäste und versprach einen spannenden Abend, was sich dann auch bewahrheitete.

Ein zweiminütiges Auftakt-Video vermittelte einen intensiven Eindruck der Höhle von innen und der beschwerlichen Fortbewegung darin. Fürwahr ist das nicht jedermanns Sache, vom klebrigen Lehm ganz zu schweigen. Trotzdem verlassen am Ende des Films die Forscher die Höhle mit strahlenden Gesichtern.

Ein „lebendiges Exemplar“ solch eines Forschers wurde dann vorgestellt und erläutert. Als Höhlenforscher muss man schlank und beweglich sein, sonst bleibt man in den engen Durchgängen stecken. Der Taucher Andreas Kücher musste zwei Kilometer durch lehmiges Gelände robben, bevor er seine Taucherausrüstung anlegen konnte.

Michael Wasmund, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Stuttgart, stellte dann den weiteren Verlauf des Abendprogramms und die beteiligten Referenten vor. Er schilderte die Vorgeschichte der Höhlenforschung in und um Schmalfelden, beginnend mit uralten Aufzeichnungen aus 1788 von einer „kalten felsigen Höle“ deren Wasser „ein Beweis der wohltätigen Vorsehung ist“. Er spannte den Bogen weiter von interessanten Trinkwasserbohrungen kurz nach dem  Zweiten Weltkrieg bis zur Überschwemmung des lokalen Steinbruchs durch die Wässer einer Höhle in den Sechziger Jahren.

Geohydrologische Untersuchungen in den Siebziger Jahren führten dann letztlich zur Entdeckung des Fuchslabyrinths und weiterer Höhlen in der Nähe. Niemand hätte ein derart ausgedehntes Labyrinth dort erwartet. Nach jahrelanger Erkundung der völlig trockenen Teile gelang Ende der achtziger Jahre der Abstieg in einen unterirdischen Fluss, der sich kilometerlang nach Osten schlängelt.

Dessen Wasser fließt nach Bayern, wo es in Bettenfeld wieder zu Tage tritt und letztlich nach Bad Mergentheim fließt. Die enorm mühsame Fortbewegung in dem Fluss wurde humoristisch illustriert und verdeutlicht warum die Forschung dort nur sehr langsam fortschreitet.

Ein kleiner Exkurs in die Vermessungstechnik und Gedanken zu wissenschaftlichen Themen der Höhlenentstehung beendeten Wasmunds Vortrag.

Markus Pantle, ehrenamtlicher Denkmalpfleger aus Großbottwar, unterrichtete das Publikum über sensationelle Funde spätmittelalterlicher Trinkgefäße im Fuchslaybrinth, deren Besonderheiten und Verwendung sowie Vermutungen darüber wie die Gefäße in die Höhle gelangten. Ein vollständig erhaltenes Lavabo ist ein einmaliges Fundstück.

Nach einer wohlverdienten Pause setzte Thomas Rathgeber vom Naturkundemuseum Stuttgart den Abend fort. Er zeigte Saurierknochen, die in der Höhle aus dem Gestein ragen, sowie neuzeitlichere Knochenfunde, die auf die Fauna früherer Zeiten hinweisen. Die Erfassung und Analyse dieser Funde zeigt den wissenschaftlichen Anspruch der Arbeitsgemeinschaft.

Zu fortgeschrittener Zeit wurde dann das „Sahnehäubchen“ des Abendmenüs serviert: Sybille Mertschs kunstvoll zusammengestellte Schau der beeindruckendsten und schönsten Stellen im Fuchslabyrinth. Man konnte eine Stecknadel fallen hören, so fasziniert war das Publikum, das die Vorstellung mit viel Applaus bedachte. Sybille Mertsch selbst konnte an dem Abend leider nicht anwesend sein.

Mit einem Schlusswort und viel Dank an alle Beteiligten beendete Josef Gulde dann diesen Abend nach zweieinhalb Stunden, der sicher lange in Erinnerung bleiben wird.

Was reizt die Elektroingenieure Michael Wasmund und Christopher Ross zum Abstieg in eine  unwirtliche, kühle und schmutzige Unterwelt? „ Es ist der Reiz des Unbekannten und ein Bereich, der zuvor von keinem andern Menschen besucht wurde. Alle Alltagsprobleme sind vergessen, wenn ich mich in der absoluten Stille der Höhle befinde“ berichtet Wasmuth und für den Australier Ross sind es die ungeahnten Formationen und Farben. Leider werden junge Menschen von der spannenden Höhlenforschung durch die bittere Tatsache abgeschreckt, einige Stunden ohne Handyempfang auskommen zu müssen.

Die Fuchshöhle wird in Zukunft viele Wissenschaftler beschäftigen, welche die unterschiedlichen Theorien der Entstehung mit ihren Untersuchungen erhärten wollen. Auch für den Tourismus ergeben sich Chancen, denn im Muschelkalk waren bisher solche Höhlen nicht zu erwarten. Ein Lehrpfad , ein Wanderweg und eine Radtour sind angedacht.

Fotos: Referenten und Organisatoren, Text: Tillmann Zeller

Spendenkonto zur Unterstützung der Arbeit:
Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Stuttgart:
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